Autor:
Neal Shusterman
Übersetzt von:
Kristian Lutze, Andreas Helweg, Pauline Kurbasik
Illustriert von: Christopher Tauber
Verlag: FISCHER Sauerländer
Illustriert von: Christopher Tauber
Verlag: FISCHER Sauerländer
Erscheinungstermin: 13.10.2021
416 Seiten
empfohlenes Alter: ab 14 Jahre
Coming-of-Age
ISBN: 978-3-7373-5884-2
Preis (Print): 18,00€
Klappentext:
Preis (Print): 18,00€
Klappentext:
Ash ist ein weißer, heterosexueller cis-Junge aus der Mittelschicht. Er hält sich selbst für einen guten Kerl, aber nicht gerade für den Mittelpunkt des Universums. Bis er eines Freitags in eine andere Dimension katapultiert wird, in der er genau das ist – der Mittelpunkt des Universums! Damit verfügt ausgerechnet Ash nun über die Macht, die Welt zu verändern. Doch irgendetwas geht schief, und Ash führt - aus Versehen - die Rassentrennung wieder ein. Natürlich will er das wieder geradebiegen, aber: Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, alles falsch zu machen.
(Quelle Daten, Text & Cover inkl. Copyright: Fischer Sauerländer)
Neal Shusterman hat mich bisher mit
jedem seiner Bücher vollkommen aus den Latschen gehauen und ich kam
nicht umhin, auch seiner neusten Geschichte mit Haut und Haaren zu
verfallen, selbst wenn ich mir im Vorfeld etwas anderes vorgestellt
hatte. Wie das Buch verlief, entsprach nicht ganz meinen Erwartungen,
aber das hat meine Begeisterung nicht im Geringsten geschmälert, nur
am Anfang etwas für Verwirrung gesorgt.
Der Gedanke, dass ein Mensch der
Mittelpunkt des Universums wird und dadurch den Lauf der Welt
beeinflussen kann, fand ich enorm spannend. Wenn man selbst das
Schicksal der Galaxie in der Hand hat und alles erdenkliche verändern
könnte, was würde man dann als erstes ändern? In was für einer
Welt möchte man leben? Möchte man überhaupt in einer anderen
leben? Würde man etwas Großes verändern, wie Kriege ungeschehen zu
machen oder eine Pandemie aus dem Verlauf der Geschichte zu löschen?
Oder würde man sich oder seinen Freunden persönliche Vorteile
verschaffen, ein Upgrade für das eigene Leben sozusagen? Und egal,
wie man sich entscheidet, kann man dabei wirklich alle Folgen
bedenken? Zumindest letzteres kann ich nach dem Lesen des Buches mit
einem klaren Nein beantworten.
Der Protagonist Ash wurde mir während
des Lesens immer und immer sympathischer. Er hatte etwas
entwaffnendes, etwas unverfälschtes, was es einem leicht gemacht
hat, sich mit ihm auf die Veränderungen der Welt einzulassen und sie
in sich aufzunehmen. Dass Ash selbst auch zunächst überfordert mit
seinem neuen Status ist, setzt ihn und die Lesenden auf die selbe
Augenhöhe, und man wird langsam an all die neuen Entwicklungen
gewöhnt.
Ash hat ein gutes Herz. Er ist stets
bemüht, das Beste aus dem, was er tut, herauszuholen, und eine treue
Seele ist er obendrein. Er ist fair, offen, tolerant und ich liebe
ihn für jeden dieser Charakterzüge, denn viele andere Figuren, die
man im Laufe der Geschichte trifft, führen einem vor Augen, dass es
keineswegs selbstverständliche Eigenschaften sind.
Die Art, wie er zwischen den
verschiedenen Realitäten wechselt, hätte ich mir anders, einfacher
vorgestellt. Ich hätte gedacht, es verhält sich wie an einer
Kreuzung, von der unterschiedliche Wege wegführen, doch es zeigte
sich, dass das Ganze nicht annähernd so leicht vonstatten geht. Das
heißt aber nicht, dass ich enttäuscht bin, sondern nur, dass ich
meine Erwartungen anpassen musste. Ich mochte das, was man bekommen
hat, sehr.
Was mir ebenfalls gefiel, war, wie
sensibel und dennoch aufrüttelnd Themen wie Rassismus oder
Homophobie hier aufgearbeitet werden. Man lernt Ash als
privilegierten, weißen jungen Mann kennen, dennoch merkt man aber,
dass sich der Autor mit solch ernsten Angelegenheiten
auseinandergesetzt hat und das auf das Wissen und Handeln des
Protagonisten übertragen wurde.
Neal Shusterman schafft es jedes Mal,
mich mit seinem fesselnden Schreibstil ans Geschehen zu binden und
erst wieder gehen zu lassen, wenn man das Buch beendet hat. Auf
eindringliche Art und Weise schildert er hier dem Leser, dass wir nur
einen Steinwurf, nur eine Sekunde von einer komplett anderen Welt
entfernt sind, die um Längen schlechter sein könnte als die
jetzige. Wir denken immer, wir haben es schon weit gebracht in Sachen
Toleranz, doch uns steht noch ein weiter Weg bevor.
Mein Fazit:
Ein eindrucksvolles
Buch, was mich lange beschäftigt hat und auch noch länger
beschäftigen wird. Ich liebe und fürchte die Geschichten von Neal
Shusterman gleichermaßen, weil sie es schaffen, jede erdenkliche
Zukunft wie eine durchaus plausible Möglichkeit für unsere Realität
aussehen zu lassen.
Game Changer ist keine leichte Kost für
Zwischendurch, es ist Vorspeise, Hauptgang und Nachspeise in einem.
Wenn man es verschlungen hat, ist man danach erst einmal außer
Gefecht gesetzt, aber auf eine gute Art und Weise. Jeder, der keine
Angst vor Shustermans Zukünften hat, wird mit diesem Buch ein
nachhallendes Leseerlebnis teilen.
Von mir gibt es 5 von 5 Sternen.
⭐⭐⭐⭐⭐